Die Kreuzfahrtroute zwischen Papenburg und Emden

Majestätisch schieben sich bis zu dreimal im Jahr die Ozeanriesen der Papenburger Meyer Werft über die Ems zur Nordsee. Diesen Weg können Radler über den sogenannten „Kreuzfahrtweg“ von Papenburg bis zum Dollart abfahren, insgesamt fast 80 Kilometer. Die einzelnen Abschnitte sind mit ganz besonderen Schildern gekennzeichnet. Sie zeigen die Silhouetten von auf der Meyer Werft gebauten Kreuzfahrtschiffen. Die „Crown Odyssey“ bildet den Start an der Papenburger Seeschleuse, die „Celebrity Solstice“ das Ziel kurz vor Emden.

Werbung

Die Mühle von Mitling Mark. OTG-Foto
Die Mühle von Mitling Mark. OTG-Foto
Das kleine rote Zusatzschild an den Radrouten-Schildern weist auf den Kreuzfahrtweg hin. OTG-Foto
Das kleine rote Zusatzschild an den Radrouten-Schildern weist auf den Kreuzfahrtweg hin. OTG-Foto

Dazwischen liegt eine Route am Deich entlang, der bei Schiffsüberführungen regelmäßig von den viele Meter hohen Bordwänden der Luxusliner überragt wird. Die satten Wiesen, die scheinbar endlose Weite Ostfrieslands bilden die andere Seite des Rahmens für diese Radtour. Möglich ist die Tour an beiden Seiten der Ems. Besonders schön ist sie an der Seite des kleinen Dorfes Mitling Mark mit seiner charakteristischen Mühle. Sie ist 27 Meter hoch. Ein interessanter Größenvergleich auf der Kreuzfahrtroute: Die Kreuzfahrtschiffe ragen mehr als 70 Meter aus dem Wasser. Nur eine kurze Strecke von der Marker Mühle entfernt, in der Nähe der der ehemaligen Friesenbrücke, lädt ein Steg zu einer willkommenen Pause am Emsufer ein. Hier hat man den Blick auf eine Flussbiegung, die die Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft mithilfe von mehreren Schleppern behutsam passieren müssen. Die schmale Ems lässt den stählernen Giganten links und rechts nicht viel Platz.

Geheimtipp für ein Picknick am Deich

Von Mitling Mark geht es weiter zum Thedingaer Vorwerk in Leer. Dort können Radler auf einer Weide die ursprünglichen Rinder- und Pferderassen beobachten, die hier früher in freier Wildbahn wild gelebt haben. Ein Stückchen weiter flussabwärts liegt Terborg, wo es von einer Aussichtsplattform einen tollen Blick über die weitläufige Ems gibt- außerdem ein echter Geheimtipp für ein Picknick.

Die nächste interessante Station ist das Emssperrwerk bei Gandersum. Fast baugleich mit dem Themse-Sperrwerk bei London, gehört das Bauwerk zu den meistbesuchten in der Region. Viele Touristen wollen sich im Sommer ein Bild von den Dimensionen machen. Hier legen die Ozeanriesen der Meyer Werft während ihrer Emsüberführung eine Pause ein, um dann mit der nächsten Flut in den Dollart einzulaufen. Dort macht ihnen die Ems Platz und die Schiffe, die wegen einer besseren Manövrierfähigkeit rückwärts überführt werden, können vor Emden gedreht werden.

Letztes Nadelöhr für die Ozeanriesen der Meyer Werft: Das Emssperrwerk bei Gandersum. CA-Foto
Letztes Nadelöhr für die Ozeanriesen der Meyer Werft: Das Emssperrwerk bei Gandersum. CA-Foto

Weener ist Endpunkt des Kreuzfahrtweges

Emden ist zugleich der nördlichste Punkt des Kreuzfahrtwegs. Mit der Fähre von Petkum, dem östlichsten Stadtteil Emdens, geht es auf das andere Ufer der Ems nach Ditzum. Auf dem Balkon des Fischhauses, direkt gegenüber dem Fähranleger, ist ein frisches Krabbenbrötchen eine willkommene Stärkung. Bis hierher sind es von Papenburg aus rund 70 Kilometer. Endpunkt des Kreuzfahrtwegs ist Weener, die Kleinstadt im Rheiderland. Bis vor einigen Jahren gab es hier mit der Friesenbrücke, einer der größten Eisenbahnklappbrücken Europas, ein spektakuläres Nadelöhr bei den Emsüberführungen. Seit ein Frachter Anfang Dezember 2015 mit der Brücke havarierte, haben die Kreuzfahrtschiffe freie Fahrt; Radwanderer können ab April in den Sommermonaten den Fluss mit der „Friesenfähre“ überqueren.

Kurz vor Ditzum bietet sich ein imposanter Blick auf das Emssperrwerk. OTG-Foto
Kurz vor Ditzum bietet sich ein imposanter Blick auf das Emssperrwerk. OTG-Foto

Der Kreuzfahrtweg ist eine entspannte Fahrradroute durch das südliche Ostfriesland und führt uns Einheimischen speziell im Frühjahr und Sommer die Besonderheiten unserer Region vor Augen. Wer hier lebt, lebt mit den Kreuzfahrtschiffen aus Papenburg, und somit ist die Radtour auf den Spuren der Giganten der Meere auch eine kleine Zeitreise; immerhin haben sich schon 50 Kreuzfahrtschiffe über die Ems zur Nordsee geschoben.