Einblicke – auch in ungewöhnliche Berufe – bietet das aktuelle LUV&LEE-Special „Adventstürchen“. Im Interview mit LUV und LEE verrät Isabell van Diedenhoven, Käse-Sommelière bei Rücker in Aurich mehr über ihre Arbeit. 

Weinsommelier – davon haben Sie sicher schon einmal gehört, vielleicht auch von einem Biersommelier, aber auch von einem Käsesommelier? LUV&LEE hat im Interview mit Isabell van Diedenhoven von der Auricher Molkerei Rücker gesprochen. Die 33-jährige Gelsenkirchenerin ist gelernte Fleischfachverkäuferin, beschäftigt sich seit 2009 aber schwerpunktmäßig mit Käse. Zunächst an der Verkaufstheke einer Supermarktkette beschäftigt, ist sie heute die erste Käse-Sommelière des Familienunternehmens Rücker, für das sie auch im Außendienst tätig ist.

Isabell von Diedenhoven beschäftigt sich seit 2009 schwerpunktmäßig mit Käse. PR-Foto
Isabell von Diedenhoven beschäftigt sich seit 2009 schwerpunktmäßig mit Käse. PR-Foto

LUV&LEE: Wir kennen in erster Linie Wein-Sommelière, neu auch Bier- oder Brot-Sommelière. Wie ist die Zunft des Käsesommeliers generell entstanden?

Isabell von Diedenhoven: In Österreich gibt es den Käsesommelier schon länger. Ich habe in Hannover im „Cheese Center“, einem Schulungszentrum für Käsefachverkäufer, meine Ausbildung absolviert. Die Dozenten für die Schulung kommen aus Österreich und der Schweiz. Zwei Wochen lang ging der Unterricht, der aus Lernen und Essen besteht, von morgens bis abends. In dem Rahmen habe ich täglich so zwischen 16 und 18 Käsesorten probiert. Die Prüfung bestand aus zwei Teilen: Nach dem schriftlichen Test kam der mündliche Teil: Hier musste ein Teller mit fünf Käsesorten probiert werden und wir mussten bestimmen, wie der Käse hergestellt wurde, wie die Rindenbildung aussieht, ob er mild oder kräftig ist. Am Ende muss der Käse beschrieben werden. Wie und wonach riecht er? Ist er blumig, sind Heunoten enthalten? Die verschiedenen Aromen entstehen je nachdem, wie die Kühe grasen. In Südtirol stehen die Tiere beispielsweise vielfach in Lavendelfeldern und somit ist später im Käse auch diese Note wiederzufinden.

Wie sind Sie zur Sommelière geworden?

Die Idee entstand, als ich mit Insa Rücker (Geschäftsführerin der Molkerei Rücker, Anmerkung d. Redaktion) ein Foto-Shooting für die Bewerbung des Käsehauses hatte. Ich habe dafür eine Torte mit Hirtenkäse hergestellt und dabei schon gemerkt, welche Vielfalt im Käse steckt. Nach dem Shooting saßen wir zusammen und dabei kam die Idee zur Weiterbildung als Käse-Sommelière, denn ich hatte schon vorher den Wunsch, mich weiterzubilden.

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Sie sind gleichzeitig auch für Rücker im Außendienst. Inwiefern spielt bei Ihrem Tagesgeschäft Ihre Ausbildung als Käse-Sommelière eine Rolle?

 Mit diesem Hintergrund kann ich ganz anders auf Vertriebspartner und Kunden zugehen. Man redet auf einer ganz anderen Ebene miteinander und taucht gemeinsam ab in diese Käsewelt. Ich kann die Vertriebspartner fundiert über unsere Produkte aufklären, zugleich aber eben auch im Gespräch mit Endverbrauchern die Produkte so nahebringen, dass sie transparent und verständlich mehr über den Käse erfahren.

Welcher Käse liegt im Trend? Das Rücker-Käsehaus zeigt den Besuchern, wie vielfältig die Produkte sind.

Die Leute reisen mehr und interessieren sich mehr für andere Kulturen und damit auch für andere Käsesorten. Man kann sagen, dass der Ziegenkäse im Aufmarsch ist. Die Loire ist zum Beispiel eine Ziegenkäseregion, während Spanienurlauber mit dem Geschmack von Schafskäse nach Hause zurückkehren.

Bei Rücker ist aktuell mit dem Ostsee-Cheddar ein neues Produkt auf dem Vormarsch. Jedes Kind isst doch gerne Sandwiches, dafür haben wir einen naturgereiften Cheddar kreiert. Nur die Naturreife gibt dem Cheddar eine ganz neue Note. Er ist fantastisch auf einem Burger oder auf einem Sandwich. Mit dieser neuen Produktvariation sprechen wir ein junges Publikum an.

Was macht denn, abgesehen von Ihrem Produktportfolio, generell einen guten Käse aus?

Das ist immer Geschmackssache. Ich persönlich mag kräftige Sorten und gerne Käse vom Laib, denn der schmeckt mir einfach besser. Ich weiß auch gerne, dass der Käse in echter Handwerkskunst entstanden ist. Ich liebe die Geschichten hinter den Sorten. Bergkäse entsteht zum Beispiel nur einmal im Jahr in einem Kupferkessel über Rauch.

Woran erkenne ich als Laie beim Blick in die Käsetheke eine gute Qualität?

Eine gute Käsetheke zeichnet zunächst die gute Beratung aus; denn Sie als Kunde wissen meist gar nicht, wo Sie hinschauen sollen, weil die Auswahl so groß ist. Es kommt dann auch auf die Gestaltung der Theke an; denn wo das Auge des Kunden nicht stehen bleibt, bleibt auch der Kunde nicht stehen. Die Wohlfühlatmosphäre ist so wichtig! Eine Käsetheke muss so ausgestaltet sein, dass Sie im Gespräch mit dem Partner beim Einkauf dort stehen bleiben. Die Frische muss man sehen.

Das Interview führte Janina Assies.

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