Der Schiffsarzt – Notdienst im schwimmenden Hospital

Das Jahr 2022 ist für den Papenburger Arzt Dr. Ludger Kämmerling mit einem besonderen Erlebnis verbunden. Auf einem neuen Kreuzfahrtschiff der Meyer Werft war der Mediziner als Schiffsarzt an Bord – während der Probefahrt. Er hat LUV&LEE von seinen Erfahrungen berichtet und Einblicke in ein modernes Schiffshospital gegeben.

2016 hat es den Mediziner aus Nordrhein-Westfalen nach Papenburg verschlagen. Hier leitet er die Intensivmedizin und Anästhesie im Marien Hospital. Er ist Facharzt für Anästhesiologie mit den Zusatzbezeichnungen Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie und Intensivmedizin. Seit März übernimmt der gebürtige Paderborner zusätzlich die Tätigkeit des Ärztlichen Direktors im Marien Hospital.

Dr. Ludger Kämmerling leitet im Papenburger Marien Hospital die Intensivmedizin und Anästhesie. PR-Foto
Dr. Ludger Kämmerling leitet im Papenburger Marien Hospital die Intensivmedizin und Anästhesie. PR-Foto

Neues Kreuzfahrtschiff von ganz unten bis zur Schornsteinspitze angesehen

Weil im Sommer eine Kollegin kurzfristig nicht zur Verfügung stand, wurde Kämmerling als Schiffsarzt für ein neues Kreuzfahrtschiff der Meyer Werft angefragt. „Ich hatte ein paar Tage Urlaub und von daher passte es für mich zeitlich. Das Schiff war noch ein Arbeitsschiff, an Bord waren etwa 1500 Arbeiter der Werft und 600 Mitglieder der späteren Crew, die das Kreuzfahrtschiff auf die Ablieferung vorbereiteten.“ Es sei somit keine richtige Kreuzfahrt gewesen, „aber alles war absolut faszinierend“, schwärmt Kämmerling. Für ihn war es das erste Mal überhaupt auf einem Schiff „und dann auch gleich auf einem Kreuzfahrtschiff“. Während seiner Zeit an Bord habe er Gelegenheit gehabt, sich den Neubau von „ganz unten bis zur Schornsteinspitze“ anzusehen.

Ein besonderes Erlebnis war für Ludger Kämmerling (links) die Arbeit auf dem Kreuzfahrtschiff. Kämmerling-Foto
Ein besonderes Erlebnis war für Ludger Kämmerling (rechts) die Arbeit auf dem Kreuzfahrtschiff. Kämmerling-Foto

Besonders beeindruckt war der Mediziner von der Geschwindigkeit der Innenausbauarbeiten. „Als ich an Bord kam, habe ich teilweise noch nackte Stahlgerippe im Bereich der Aufzüge gesehen. Innerhalb kürzester Zeit haben die Arbeiter einzelne Bereiche fertiggestellt. Ich hätte nie gedacht, was auf so einem neuen Schiff innerhalb kürzester Zeit alles fertig wird“, blickt Kämmerling zurück.

Für gewöhnlich bedient sich die Meyer Werft aus einem „Pool“ von Medizinern, die gemeinsam mit den unternehmenseigenen Sanitätern für die medizinische Versorgung während der Probefahrten an Bord zuständig sind. Er sei mit dem Schiff immer in Küstennähe unterwegs gewesen und habe einen Eindruck von den vielen Erprobungen bekommen. „An einem Tag wurde das Schiff auf Seetauglichkeit getestet und aufgeschaukelt. Da lag man im Bett wie in einer Kinderwiege und wurde hin- und her- geschaukelt.“

Bordhospital mit Trauma-Raum, Intensivstation und drei Corona-PCR-Testautomaten

Kämmerlings Arbeitsplatz war gemeinsam mit Pflegern und Krankenschwestern das Bordhospital auf einem der unteren Decks. „Das ist wirklich ein schönes Hospital mit einem sogenannten ,Trauma-Raum‘ zur Erstversorgung, einer eigenen kleinen Intensivstation, Sprechzimmer, einem Labor und drei Corona-PCR-Testautomaten, von denen manches Krankenhaus an Land träumt“, so der Papenburger Arzt. Allein auf der Intensivstation sei im Falle eines Falles problemlos eine mehrtägige Behandlung möglich.

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Dr. Ludger Kämmerling versorgte während der Probefahrt kleinere Arbeitsunfälle. Kämmerling-Foto
Dr. Ludger Kämmerling versorgte während der Probefahrt kleinere Arbeitsunfälle. Kämmerling-Foto

Im Rahmen der fünftägigen Probefahrt hatte Ludger Kämmerling vor allem mit seekranken Arbeitern zu tun, denen er spezielle Präparate verabreichte. „Ich hatte mit Seekrankheit keine Probleme, aber es ist schon verständlich, dass einem schlecht wird, wenn man im Innenbereich ohne richtige Orientierung nach draußen auf einer Leiter arbeitet.“ Durch die vielfältigen Innenausbauarbeiten traten auch an jedem Tag kleinere Arbeitsunfälle auf, die Kämmerling versorgte. „Zudem hatten wir ein paar weibliche Crewmitglieder, bei denen eine Harnwegsinfektion behandelt wurde“, so der 55-Jährige.

Wenn ein Kreuzfahrtschiff der Meyer Werft von der jeweiligen Reederei übernommen wird, wird auch die Besetzung des Bordhospitals von den Kreuzfahrtanbietern geregelt. Bei der deutschen Reederei TUI Cruises werden beispielsweise meist deutsche Fachärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie mit langjähriger Berufserfahrung und regelmäßigen Weiterbildungen in Rettungsmedizin, Strahlenschutz und Sicherheitstrainings auf See eingesetzt. Alle Gesundheits- und Krankenpfleger, die den Schiffsärzten zur Seite stehen, bringen mehrjährige Berufserfahrung und darüber hinaus ausgiebige intensivmedizinische Kenntnisse und Fähigkeiten mit.

Mediziner will jetzt als Kreuzfahrtpassagier Seeluft schnuppern

Ludger Kämmerling kann sich nach seinem kurzen Gastspiel als Schiffsarzt „auf jeden Fall“ einen erneuten Einsatz während einer Probefahrt eines Papenburger Schiffsneubaus vorstellen. „Wenn ich eines Tages hier im Krankenhaus meinen Kittel an den Nagel hänge, würde mich das auch im regulären Gästebetrieb sehr interessieren. Das wird ja noch einmal ganz anders sein als jetzt auf einem Arbeitsschiff“, glaubt der Mediziner.

Bis es soweit ist, will Kämmerling mit seiner Frau und seinen drei Töchtern aber erst noch als Kreuzfahrtpassagier Seeluft schnuppern. „Mir hat das unheimlich gut auf dem Schiff gefallen und ich kann mir gut vorstellen, dass das eine tolle Art des Reisens ist.“ Wichtig ist ihm aber dabei, dass die persönliche Jungfernfahrt auf einem Schiff mit überschaubarer Größe stattfindet. „Mehr als 3000 Passagiere sollten da nicht an Bord sein.“

Von Christoph Assies

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