In der aktuellen LUV und LEE stellen wir in einem Special besondere Ausflugsziele im Nordwesten vor, die sehr schnell zu Lieblingsplätzen werden können. Dafür waren wir auch zu Gast auf Schloss Lütetsburg.

„Ein uraltes Schloss am Meeresstrand; Ein herrlicher Park am baumlosen Land.“ So beschrieb Theodor Fontane im August 1882 das Schloss Lütetsburg in der Nähe von Norddeich. LUV&LEE hat mit dem Hausherren Graf Tido zu Inn- und Knyphausen über die Magie des größten privaten Landschaftsgartens in Norddeutschland gesprochen und zugleich über die vielfältige Vermarktung des Anwesens.

Hausherr auf Schloss Lütetsburg ist Graf Tido zu Inn- und Knyphausen. CA-Foto
Hausherr auf Schloss Lütetsburg ist Graf Tido zu Inn- und Knyphausen. CA-Foto

Das heutige Wasserschloss Lütetsburg ist ein Neubau, der auf den Grundmauern des einst abgebrannten, 1517 errichteten Schlosses entstanden ist. Der Bau geht auf den ostfriesischen Häuptling Lütet Manninga zurück – es gibt sogar Gerüchte, die eine Verbindung zum legendären Piraten Klaus Störtebeker herstellen. Graf Tido zu Inn- und Knyphausen schmunzelt, wenn er davon hört. „Belegbare Nachweise zu Störtebeker und anderen Piraten gibt es in unserer Familienchronik nicht“, sagt der Graf im Gespräch mit LUV&LEE. Das Familienbuch über „alle wesentlichen Belange“ wird immerhin seit 1560 geführt. Auch Graf Tido muss seinen Teil noch schreiben.

Der 47-Jährige hat im Jahr 2004 nach dem Tod seines Vaters die Belange von Lütetsburg übernommen. Dahinter verbirgt sich in erster Linie ein traditioneller Land- und Forstwirtschaftsbetrieb. 45 Mitarbeiter bewirtschaften rund 3000 Hektar. „Das betrachte ich als ein großes Geschenk meiner Vorfahren; es ist allerdings auch mit einer riesigen Verantwortung verbunden“, sagt der vierfache Familienvater. Rund um Schloss Lütetsburg sei „eine Menge alter Denkmalssubstanz“ mit der 30 Hektar umfassenden Gartenanlage zu unterhalten.

Als Graf Tido die Regie über Lütetsburg übernahm, „war die Gartenanlage einfach da, sie wurde aber nicht beworben“, erinnert er sich. Es sei ein defizitärer Betrieb gewesen und viele Menschen hätten nicht gewusst, dass „hier unweit der Nordsee die größte private englische Gartenanlage in Nordwestdeutschland liegt.“

150 Baum- und Straucharten im Schlosspark, der 60.000 Besucher im Jahr anzieht

Der Eingang zum Wasserschloss Lütetsburg. Dort sind unter anderem Ferienwohnungen untergebracht. Foto: Friederike Hegner
Der Eingang zum Wasserschloss Lütetsburg. Dort sind unter anderem Ferienwohnungen untergebracht. Foto: Friederike Hegner

Seitdem ist viel passiert und der Graf kümmert sich mit großer Leidenschaft um die touristische Vermarktung seines Schlosses, das er selbst im Westflügel mit seiner Familie bewohnt. Aus diesem Grund ist der vierflügelige Bau auch nicht zu besichtigen. Im Inneren erinnert ein imposanter Ahnensaal an die Familiengeschichte der Schlossbesitzer. Dorthin lädt der Graf bei privaten Feiern. Auch wenn das Schloss nicht zu besichtigen ist, können Besucher sich ansonsten nahezu frei auf dem Gelände mit dem malerischen Park bewegen. Graf Knyphausen ist sich sicher: „Eine solche kunsthistorische Anlage kann man auch nicht einfach für sich behalten.“ Er selbst spaziert oft durch den Park mit seinen mehr als 150 Baum- und Straucharten, hat seiner Frau an seiner eigenen Lieblingsstelle, die er LUV&LEE leider nicht näher beschreibt, sogar den Heiratsantrag gemacht.

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Im ersten Jahr der touristischen Vermarktung wurden 20.000 Besucher gezählt, mittlerweile sind es rund 60.000 Menschen jährlich. Hinzu kommen noch Gäste der vielfältigen Veranstaltungen, die hier normalerweise stattfinden. Die Corona-Pandemie hat auch Lütetsburg getroffen. „Mir tat es besonders weh, den Weihnachtsmarkt absagen zu müssen“, sagt Graf Knyphausen. Für 2021 hangelt er sich mit seinem Team in der Veranstaltungsplanung voran. Das Lichtkunstfestival „Illumina“ soll im Herbst auf jeden Fall stattfinden. Verschiedene Licht- und Klanginszenierungen sollen den Park mit seinen teils exotischen Bäumen dann noch faszinierender machen. Weitere beliebte Formate sind ein Wild-Dinner, das die Verbindung zur Jagd deutlich machen soll. Im Mai steht ein großes Wildgrillen auf dem Plan. Ob es stattfinden kann, ist aktuell noch nicht klar.

Alle Veranstaltungen, für die Schloss Lütetsburg als Kulisse dient, entspringen nach eigenen Angaben auch Graf Tido zu Inn- und Knyphausens Gedanken. „Zu 90 Prozent sind diese Formate irgendwie aus meinen Gedanken entstanden. Damit lebe ich ein wenig mein inneres Kind aus“, sagt der Graf. Für die Kernbereiche Forst- und Landwirtschaft hat er Verwalter eingesetzt, er selbst kümmert sich schwerpunktmäßig um die Weiterentwicklung der Anlage. „Vor einigen Jahren haben wir mit dem Bau eines Golfplatzes bereits den Trend ,Golf‘ ausgenutzt. Unser Ziel ist es, die Gäste möglichst lange hierzubehalten. Wir wollen uns vom Rest abheben“, so der Graf und betont zugleich: „Das hat nichts mit Arroganz zu tun; vielmehr wollen wir dieses besondere Flair quasi hinter dem Nordseestrand in den Mittelpunkt rücken.“

Ein neues Hotel mit rund 50 Zimmer kommt in rund drei Jahren

Darum geht es auch weiter: In der Planungsphase befindet sich aktuell ein neues Hotel, das mit rund 50 Zimmern in etwa drei Jahren in unmittelbarer Nähe zum Golfplatz eröffnet werden soll. Derzeit entstehen innerhalb der Schlossanlage in der Vorburg weitere Ferienwohnungen. Eine alte Pförtnerwohnung ist bereits im Angebot. Mit antiken Möbeln und viel Liebe zum Detail eingerichtet, ist sie für bis zu drei Gäste ein besonderer Ort für Nordseeurlaub. Seit dem vergangenen Jahr sind drei in der Region bisher einmalige Baumhäuser in der Vermarktung, die Lütetsburg Lodges. „Wir wollen für jede Übernachtungsform eine Bleibe bieten“, sagt Graf Knyphausen. Darum entsteht demnächst auch noch ein naturnaher Wohnmobilstellplatz. „Hier werden Wohnmobile nicht einfach auf einem Parkplatz stehen. Es wird gemütlich und inmitten der Natur möglich sein, unmittelbar an Schloss Lütetsburg zu campen“, verspricht der Schlossherr.

Viele Rückzugsorte bietet der Park um Schloss Lütetsburg. CA-Foto
Viele Rückzugsorte bietet der Park um Schloss Lütetsburg. CA-Foto

Graf Tido zu Inn- und Knyphausen will sein Schloss und die einzigartige verwunschene Parkanlage weiter für die Menschen öffnen und erlebbar machen. Der Nachfahre des Reichfreiherrn Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen lässt sich ständig neu inspirieren und hat die Angebote rund um das Schloss und den Park für alle Generationen im Blick. „Erzählen Sie einem Kind, mit dem Sie an der Nordsee Urlaub machen, dass Sie einen Nachmittag durch einen Park spazieren wollen. Die Begeisterung wird sich in Grenzen halten. Dafür haben wir jetzt für Kinder von sechs bis zwölf Jahren Mini-Landrover im Angebot, mit denen sie motorisiert den Park auf ihre Weise erkunden können.“

Der Schlossherr ist nach eigenen Angaben „nicht stolz darauf, einen besonders langen Namen zu haben.“ Vielmehr sei er stolz auf das, was seine Vorfahren geschaffen hätten. „Für uns nachfolgende Generationen geht es eigentlich nur darum, diesen Nachlass sinnvoll zu verwalten. Wir nutzen dafür den Tourismus und den Schatz mit prächtigen Alleen und den vielen kleinen versteckten Schätzen um Schloss Lütetsburg aus.“

LUV&LEE meint: Nur acht Kilometer südlich von der Wattenmeerküste ist diese grüne Oase ein wahrer Schatz – das wusste schließlich schon Theodor Fontane 1882 zu schätzen. Und vielleicht spüren Sie bei Ihrem Besuch dann die ganz besondere Atmosphäre, wie Fontane sie in seinem Gedicht weiter beschreibt: „Wer jemals hier Gastfreundschaft genoss, des Geist spukt um das alte Schloss.“

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Header-Foto: Deff Westerkamp