Die LUV&LEE-Sommerausgabe ist Ihre Urlaubslektüre mit vielen Geschichten aus unserem Verbreitungsgebiet. Ob Hitzschlag oder Turbulenzen in den Fluten – die Rettungsschwimmer von Borkum sind immer zur Stelle.

Die Strände der Nordsee im Sommer: scheinbar endlos, weißer Sand, leichte Wellen, der Geschmack von Salz auf der Zunge, das Kreischen der Möwen im Ohr – schön, aber auch trügerisch. Die Nordsee birgt auch Gefahren, die viele Schwimmer gerne unterschätzen. Gut, dass die Freiwilligen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) die Strände überwachen und ein Auge auf die Schwimmer haben. LUV&LEE hat auf Borkum einen Rettungsschwimmer getroffen.

Hat den Strand vom DLRG-Wachturm im Blick: Rettungsschwimmer Jan Phillip Ristau. CA-Foto
Hat den Strand vom DLRG-Wachturm im Blick: Rettungsschwimmer Jan Phillip Ristau. CA-Foto

Wie auch im Bundestrend sind auch auf Borkum 80 Prozent der insgesamt rund 150 DLRG-Rettungsschwimmer in der Hochsaison Jugendliche und junge Erwachsene, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen und für ihre Einsatzzeiten von der Kurverwaltung auf der Insel untergebracht werden.

Jan Phillip Ristau steht in diesem Jahr in seiner zehnten Saison am Strand der westlichsten der Ostfriesischen Inseln. „Ich habe mit sechs Jahren schwimmen gelernt und hege eine große Leidenschaft für das Rettungsschwimmen“, sagt der 25-Jährige. Ristau kommt eigentlich aus Darmstadt und verbringt gerne den Sommer am Strand von Borkum. „Es ist natürlich nicht so, dass wir hier in der Sonne sitzen, hin und wieder im Meer schwimmen und den Sommer genießen. Wir erledigen eine verantwortungsvolle Arbeit für die Urlauber“, betont Ristau, der seinen Dienst in dieser Woche jeden Morgen um 9.30 Uhr auf dem Rettungsturm am Südstrand antritt. „Hier sind wir in Abhängigkeit der Gezeiten im Dienst: in der Vorsaison bis 16.30 Uhr und in der Hauptsaison mindestens bis 18 Uhr.“

In Spitzenzeiten mehr als 160 Einsätze am Tag

Auf dem Rettungsturm sorgen in Spitzenzeiten bis zu acht DLRG-Rettungsschwimmer in ihren roten T-Shirts und Badeshorts für Sicherheit. Mindestens ein Rettungsschwimmer ist dabei immer direkt am Wasser, bei vielen Schwimmern auch zusätzlich im Kajak – sozusagen auf Streifenfahrt. „Vom Turm aus haben wir zusätzlich den Badebereich zwischen den aufgestellten Flaggen im Blick, die den Badegästen den bewachten Strandabschnitt markieren.“ Im Hochsommer halten sich in einem solchen Abschnitt nicht selten bis zu 400 Badegäste auf. „Die sorgen in Spitzenzeiten für mehr als 160 Einsätze an einem Tag“, sagt Ristau.

Die DLRG-Schwimmer müssen sich nicht immer ins Wasser stürzen und Menschen aus der Nordsee retten: „Wir sind auch Anlaufstelle für alle Verletzungen und Beschwerden, die hier am Strand auftreten können.“ Von Schnittwunden über Kreislaufprobleme, Hitzschlag, Sportverletzungen bis zu Beschwerden nach dem Kontakt mit Quallen sei alles dabei. „Wir können in einem kleinen Sanitätsraum auf unserem Rettungsturm die Erstversorgung übernehmen und dann bei Bedarf von dort an den Rettungsdienst übergeben“, erklärt der Rettungsschwimmer.

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Es habe zwar optisch etwas von der Kult-TV-Serie „Baywatch“, wenn Jan Phillip Ristau und seine Kolleginnen und Kollegen mit dem leuchtend gelben Floß ins Wasser gehen, im Fernsehen werde jedoch alles sehr überspitzt dargestellt, findet Ristau, dessen Freundin mittlerweile auch der DLRG angehört und in dieser Woche mit ihm zusammen auf Borkum ihren Dienst absolviert.

Strömung im Fall der Fälle für sich nutzen

Schon mit 13 Jahren war Jan Phillip Ristau Schwimmtrainer-Assistent. CA-Foto
Schon mit 13 Jahren war Jan Phillip Ristau Schwimmtrainer-Assistent. CA-Foto

Die Gefahren beim Baden in der Nordsee sind allerdings abseits der TV-Bilder von „Baywatch“ auch bei trügerischem Schein völlig real. „Speziell hier am Südstrand können Schwimmer schnell in eine Strömung geraten, wenn sie zu weit hinausschwimmen“, sagt Ristau. Wer sich in einer solchen Strömung wiederfinde, solle in jedem Fall zunächst Ruhe bewahren „und kräfteschonend niemals gegen die Strömung schwimmen“, rät Ristau. „Dann sollte man sie vielmehr nutzen und quasi seitlich herausschwimmen, um wieder mit der Brandung in Richtung Strand zu gelangen – im Zweifelsfall ein paar hundert Meter weiter, als das eigene Handtuch im Sand liegt“, verdeutlicht der Rettungsschwimmer.

Der gebürtige Hesse war schon mit 13 Jahren Schwimmtrainer-Assistent und erlangte mit 18 Jahren den Lehrschein als Schwimmlehrer. Jetzt absolviert er sein Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre und legt parallel seinen Fokus auf die Ausbildung künftiger Rettungsschwimmer. Glücklicherweise hat die Organisation keine Nachwuchsprobleme. „Ich liebe das Wasser und ich liebe das Meer und kann nur jedem jungen Menschen, der das ähnlich sieht, empfehlen, sich bei der DLRG einzubringen. Hier vergesse ich zum Beispiel das Berufsleben und tue in meiner freien Zeit noch etwas Sinnvolles.“

 

Rettungsschwimmer rät: Den Sommer im Wasser genießen so lange der Meeresboden unter den Füßen spürbar ist

Die Arbeit am Strand und am Wasser darf für Ristau und die anderen Helfer der DLRG nie zur Routine werden. „Unsere Erfahrungen im Umgang mit dem Wasser und den mehr als einen Meter hohen Wellen hilft uns immer. Wir wägen bei jedem Einsatz das Risiko ab, bevor wir handeln und geben so am Ende den Menschen, denen wir helfen, zusätzlich Sicherheit.“ Jan Phillip Ristau darf nicht konkret über vergangene Einsätze sprechen; im Gedächtnis bleiben ihm aber immer die, bei denen es um Menschenleben ging, wenn sie ihr Motorboot in der Nordsee zu Wasser lassen mussten, um Schwimmer aus akuter Gefahr zu befreien.

„Idealerweise genießt jeder den Sommer hier im Wasser so weit, wie man den Meeresboden unter den Füßen spürt.“ Dann könne man an einem der schönsten Strände Deutschlands, auf Borkum, unbeschwerte Urlaubsmomente sicher genießen. „Wichtig ist dabei besonders für die Eltern, dass sie bei all ihrer Entspannung ihrer Kinder nicht aus den Augen lassen. Schwimmflügel sind schließlich nur eine Nothilfe“, verdeutlicht Ristau.

Er und seine Kollegen haben die wachsamen Augen und setzen sich ehrenamtlich für die Sicherheit an den norddeutschen Stränden wie auf Borkum ein. Mit Eigenverantwortung, gegenseitigem Respekt und Disziplin können sich Urlauber auch in diesem Sommer auf schöne Tage am Strand freuen. Die DLRG-Truppe hat ein Auge auf alles, was im Wasser passiert.

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