Der Erfolgsautor über das Phänomen der Ostfriesenkrimis

Seine Bücher haben Ostfriesland in ganz Deutschland bekannt gemacht, die Filme, die nach seinen Büchern gedreht wurden, erzielten Top-Quoten im ZDF zur Prime-Time. Klaus-Peter Wolf liebt Ostfriesland und er kann sich keine bessere Region für „seine“ Morde vorstellen. Am 20. Februar ist mit „Ostfriesenhölle“ bereits der 14. Band um die Norder Kommissarin Ann Kathrin Klaasen erschienen. Auch dieser Bandist, wie die Vorgänger-Bücher, direkt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste eingestiegen. Damit hat Wolf deutsche Literaturgeschichte geschrieben, denn zehn Mal hintereinander wie er hat das vorher noch kein Autor geschafft.

In dem Krimi geht es um einen YouTube-Star, der mutmaßlich entführt worden ist oder aber auch zwei Menschen auf dem Gewissen hat. Bei einem Fahrradausflug auf Langeoog wird der junge Cosmo Schnell plötzlich ohnmächtig und stirbt kurz darauf in den Armen seiner Mutter. Sabine Schnell ist davon überzeugt, dass der beste Freund ihres Sohnes dafür verantwortlich ist. Beide waren YouTube-Stars und hingen andauernd zusammen. Kurzerhand entführt sie den Jungen. Eine groß angelegte Suche startet, Langeoog wird bis in den letzten Winkel durchsucht. Dann findet man eine Frauenleiche. Kommissarin Ann Kathrin Klaasen steht vor der Frage, ob die Polizei einen jugendlichen Täter oder einen verzweifelten jungen Mann sucht.

„Die Geschichte spielt dieses Mal in dem Umfeld junger Leute, weil ich auf vielen Lesungen mitbekommen habe, wie viele junge Menschen meine Bücher lesen. Ich habe im Prinzip Leser zwischen 16 und 96“, sagt Klaus-Peter Wolf im Gespräch mit LUV&LEE. Am Ort der Handlung, auf der Insel Langeoog, verbringt Wolf nach eigenen Angaben selbst im Jahr bis zu fünf Wochen. „Ich mag die autofreien Inseln besonders gerne, weil sie in den Handlungen auch zusätzliche Varianten möglich machen.“ Weil er Langeoog mittlerweile gut kennt, sind die einzelnen Schauplätze von Wolf bis ins Detail ausgewählt worden. „Ich hatte auch darüber nachgedacht, ,Ostfriesenhölle‘ auf Wangerooge spielen zu lassen, aber nun ist es eben Langeoog geworden.“ Dafür spielt mit „Rupert undercover“ das zweite neue Buch des gebürtigen Gelsenkircheners auf der östlichsten der Ostfriesischen Inseln. „Das Buch erscheint im Sommer und bei der Geschichte wird es einen großen Showdown beim ‚Café Pudding‘ geben“, verrät Wolf.

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Vom Erfolg seiner Ostfriesenkrimis ist Wolf nach wie vor beeindruckt. „Ich hätte niemals gedacht, dass das diese Dimensionen annimmt. Wir hatten bei ,Ostfriesenkiller’, dem ersten Buch 2007, eine Anfangsauflage von 8.000 Exemplaren.“ Von „Ostfriesenhölle“ sind nach Angaben von Wolf direkt 250.000 Bücher auf den Markt gekommen. „Das ist der Hammer.“ Die Figuren um die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen haben sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt – und das nach Angaben ihres Schöpfers mit einer Eigendynamik, die für einen Laien nicht so einfach nachzuvollziehen ist. „Mit meinen Figuren ist es im Prinzip wie bei Kindern. Man setzt sie in die Welt und dann entwickeln sie sich von selbst. Wenn eine Romanfigur gut weitergekommen ist, dann macht sie sich tatsächlich selbstständig.“ Wolf verdeutlicht: „Ich kann den Plot, die Rohfassung einer Geschichte, in eine bestimmte Richtung drehen, aber beim Schreiben versetze ich mich in die jeweilige Person innerhalb der Geschichte und merke dann, dass diese Person das niemals so tun oder so sagen würde, wie ich mir das zu Anfang überlegt habe. So machen sich dann die Hauptpersonen im Schreibprozess selbstständig.“ Klaus-Peter Wolf versetzt sich beim Schreiben in seine Protagonisten. Mal ist er der Mörder selbst, dann wieder die Kommissarin Ann-Kathrin Klaasen oder  der schnodderige Rupert mit seinen groben Sprüchen. „Dann ist er wirklich ein anderer Mensch. Man könnte manchmal auch einen Arzt rufen“, sagte einst Wolfs Ehefrau Bettina Göschl in einem Interview zur Entstehungsgeschichte der Romane.

Der Erfolg gibt Klaus-Peter Wolf recht. Auch die Verfilmungen seiner Ostfriesenkrimis erzielen im ZDF Top-Quoten zur Prime-Time am Samstagabend. Im Februar wurde mit „Ostfriesengrab“ sein 2009 erschienener dritter Ostfriesenkrimi ausgestrahlt. „Als damals das erste Buch erschien, hat sich kein Sender dafür interessiert, und auch als der Chef der Schiwago-Filmproduktion, Martin Lehwald, irgendwann auf mich zukam, sagte er mir, dass es ja schon viele Krimis gäbe. Ich fragte ihn damals dann sinngemäß, was er denn dann von mir wollte“, erinnert sich Wolf schmunzelnd. Die Figuren hätten ihn interessiert, habe Lehwald zu Wolf gesagt. „Daraufhin haben wir unsere Zusammenarbeit begonnen und mit dem Quotenerfolg hat niemand von uns gerechnet.“ In „Ostfriesengrab“ hat erstmals die Schauspielerin Julia Jentsch die Rolle der Ann Kathrin Klaasen übernommen. Christiane Paul, die die Rolle in den ersten beiden Filmen besetzte, widmet sich anderen Projekten. „Man ist überhaupt nicht negativ auseinander gegangen“, versichert Wolf und findet, Julia Jentsch gestalte die Ann Kathrin Klaasen weicher. „Sie verkörpert die Rolle noch einmal anders.“