Es ist eines der beliebtesten Buchgenres, wenn nicht sogar das beliebteste: der Krimi. Der Jeveraner Mikro Schädel ist den Kriminalromanen schon seit seiner Kindheit verfallen. Er besitzt eine besondere Leidenschaft für die frühen Krimis von 1790 bis 1945 und hat ihnen mit Büchern aus genau dieser Epoche jetzt in Jever ein Museum gewidmet. Für die aktuelle XXL-Sommerausgabe hat LUV&LEE das Museum besucht. 

„Ich habe vor 40 Jahren begonnen, Krimis zu sammeln, ohne überhaupt zu merken, dass ich sammle. Das habe ich etwa zehn Jahre später erkannt“, erinnert sich Schädel. Für ihn macht der authentische Transport der Kulturgeschichte aus den jeweiligen Epochen die Faszination für den Krimi aus. „Geschichten um Mord und Todschlag waren Gebrauchsliteratur und landeten oft im Abfall. Antiquare erzählten mir immer, außer Edgar Wallace gäbe es nicht viel, aber die Kriminalliteratur ist ein unfassbar weites Feld“, sagt Schädel. Umso schwieriger sind die Werke aus Schädels „Lieblingsepoche“ heute zu bekommen. „Einige Exemplare stehen noch immer auf meiner Wunschliste.“

Mirko Schädel in seinem Krimimuseum in Jever. CA-Foto
Mirko Schädel in seinem Krimimuseum in Jever. CA-Foto

In Deutschland bisher einmaliges Museum

In seinem in Deutschland bisher einmaligen Museum direkt gegenüber der Stadtkirche von Jever hat Mirko Schädel seit April auf 190 Quadratmetern Fläche etwa 600 Bücher seiner insgesamt rund 9000 gesammelten Werke ausgestellt. Die Räume der ehemaligen Töpferei, die hier untergebracht war, sorgen anscheinend von selbst für das passende Flair. Massive Holzregale und dunkle Schränke tun ihr Übriges.

Weil es zu Hause zunehmend eng wurde für seine Bücher, entsand bei Mirko Schädel die Idee zum Krimimuseum. CA-Foto
Weil es zu Hause zunehmend eng wurde für seine Bücher, entsand bei Mirko Schädel die Idee zum Krimimuseum. CA-Foto

Weil es zu Hause zunehmend zu eng für seine Krimisammlung wurde, entstand die Idee für das Krimimuseum. „Jetzt kann ich die Bücher und auch die alten Verlagswerbeplakate in einem richtigen Rahmen präsentieren“, sagt Schädel. Das Konzept des Krimimuseums sieht immer eine Führung durch die Ausstellung vor – natürlich vom Experten höchstpersönlich. „Normalerweise dauert eine Führung etwa eine Stunde; es ist aber auch schon vorgekommen, dass sie drei Stunden in Anspruch nahm, weil die Besucher wirklich eine ganze Menge wissen wollten und wir regelrecht ins Fachsimpeln kamen“, sagt Schädel und gibt zu: „Für Kinder ist das Museum eher nichts, aber wer sich für Zeitgeschichte, Krimis und Literatur interessiert, kann hier schon eine Menge erfahren.“

Speziell durch Jever schlendernde Touristen finden seit April den Weg in das Krimimuseum. In unterhaltsamer Art und Weise und „nicht staubtrocken“ vermittelt Mirko Schädel seinen Gästen Besonderes und Kurioses zu Romanen, Verlagen und Autoren. Beantwortet werden etwa die Fragen danach, woher der Krimi stammt, wie er sich entwickelt hat und wie die verschiedenen Genres innerhalb der Kriminalliteratur entstanden sind.

Mirko Schädel: „Ein bisschen Humor“, Spannungselemente und Intelligenz machen guten Krimi aus

Nicht alle Bücher seiner Sammlung hat Schädel gelesen, „so etwa ein Drittel“, schätzt er. Die Bücher vom frühen 18. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg, die Schädel ausstellt, unterscheiden sich vor allem darin von modernen Werken, dass sie „weniger blutrünstig“ und schlichtweg „gut  geschrieben“ sind. Einen guten Kriminalroman macht für den 55-Jährigen „ein bisschen Humor, viele Spannungselemente und auch die Intelligenz“ aus. Mit modernen Werken der Neuzeit kann der Krimisammler „nichts anfangen“, wie er selber sagt. Dafür versinkt er viel lieber immer wieder in seinen alten Räuber- und auch Schauergeschichten. „Geschichten um Geister und Gespenster: Die Schauerliteratur war auch eine große Mode zwischen 1780 und 1820. Das war so etwas wie der Vorläufer der Krimiliteratur“, erläutert Schädel.

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Die Vorgänger der heutigen Comics, die Groschenromane, haben es Schädel ebenfalls angetan. Mit ihren kreativ gestalteten Covern sollten sie den Leser anlocken. Mirko Schädel kann seiner Sammelleidenschaft noch immer nicht widerstehen und bietet auch heute in Auktionen mit, um seltene Exemplare zu ergattern. „Waren die Hefte auch damals in den 1920-er Jahren weit verbreitet, muss man heute schon wirklich danach suchen. Nicht selten zahlen Sammler für gut erhaltene Exemplare rund 500 Euro.“

Dem, der durch die Ausstellung streift, wird bewusst, wie nahezu grenzenlos die Bandbreite des Krimis ist. Es geht um mehr als nur um Mord und Totschlag. Von Detektivgeschichten über Räuberromane bis zu Horror- und Gespenstergeschichten reicht die Vielfalt. Neben den Führungen veranstaltet Mirko Schädel gemeinsam mit seiner Frau auch Lesungen in den Räumen, die den Besucher mit auf eine faszinierende Reise in die literarische Unterwelt nehmen.

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Gegenüber der Stadtkirche in Jever erstreckt sich das Krimimuseum auf 190 Quadratmetern. CA-Foto