Mehr als 1000 Weine kommen aus Leer! In der aktuellen LUV und LEE zeigen wir auf 30 Seiten die kulinarische Vielfalt der Region. Heute zeigen wir, dass Ostfriesland nicht nur beim Tee eine große Rolle spielt.

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Seit mehr als 200 Jahren kommt Wein aus Ostfriesland. Die Firma Wolff, im Jahr 1800 gegründet, wird mittlerweile in der siebten Generation von Jan Wolff geführt. In mehreren Filialen im Nordwesten und deutschlandweit über das Internet werden mehr als 1000 verschiedene Weine verkauft. LUV&LEE hat das Stammhaus in der Leeraner Altstadt besucht.

Die edlen Tropfen stammen sowohl aus deutschen als auch aus internationalen Anbaugebieten. Hinzu kommen ostfriesische Spezialitäten und Spirituosen aus eigener Herstellung. „Wir setzen speziell bei unseren deutschen Weinen auf langjährige Zusammenarbeit mit kleinen Lieferanten, die teilweise schon bis zu 50 Jahre bestehen. Unseren Fokus legen wir auf Winzer in der Pfalz und in Baden“, erklärt Jan Wolff. Die deutschen Weinanbaugebiete seien von hervorragender Qualität. Speziell beim Weißwein gebe es keine besseren Anbaugebiete als die in Deutschland. „Wir haben ein relativ kühles Klima mit ausgedehnteren Vegetationsperioden. Das führt dazu, dass eine vergleichsweise längere Reifezeit der Trauben für ein gutes und vollmundiges Aroma sorgt.“

Führt das Traditionsunternehmen Wein Wolff in Leer in der siebten Generation: Jan Wolff. CA-Foto
Führt das Traditionsunternehmen Wein Wolff in Leer in der siebten Generation: Jan Wolff. CA-Foto

Produkte von Wein Wolff gibt es mittlerweile in 17 Filialen

In unserer Region, die Wolff selbst eigentlich eher mit Bierliebhabern in Verbindung bringt, erfreut sich der Wein immer größerer Beliebtheit. „Vor 100 Jahren handelten meine Vorfahren mit dem Wein eher um den Kirchturm herum; doch seit den 1970er Jahren sind wir großer Lieferant für viele Hotels und Gastronomiebetriebe bis auf die Ostfriesischen Inseln. Mit dem Tourismus ist die Nachfrage dann auch immer weiter gewachsen.“ Produkte von Wein Wolff gibt es mittlerweile in 17 Filialen bis Bremen und Osnabrück und zusätzlich im Onlineshop.

Gegründet wurde das Unternehmen vom Schweizer Friedrich Groß, der 1815 in der Schlacht bei Ligny fiel. 1800 kam er nach Emden, ehe er seine Frau aus Leer kennenlernte und in der Ledastadt eine Weingroßhandlung eröffnete. Nach seinem Tod heiratete seine Tochter Cornelia Wilhelmina Groß den Weinhändler Johann Daniel Wolff; damit war der Name des heutigen Unternehmens geboren. Die Familiengeschichte haben die Vorfahren von Jan Wolff akribisch in einer Chronik zusammengefasst. Das Stammhaus unweit des Leeraner Rathauses beherbergt neben Gemälden der Vorfahren auch ein einzigartiges Museum der Wohnkultur Ostfrieslands in den ehemaligen Speicherböden des Gebäudes. In den 1950er Jahren sammelte Claas Wolff mit großer Leidenschaft Antiquitäten aus der Region und schuf so nach und nach eine besondere Sammlung, die heute die Wohn- und Lebenskultur der Ostfriesen zeigt. „Touristen besuchen gerne das Museum, aber ich merke immer wieder, dass viele Einheimische unsere besondere Sammlung noch nicht kennen“, erzählt Jan Wolff, der seit 2003 im Unternehmen arbeitet und 2005 die Geschäftsführung von seinem Onkel übernommen hat.

Das Stammhaus von Wein Wolff in der Leeraner Altstadt. CA-Foto
Das Stammhaus von Wein Wolff in der Leeraner Altstadt. CA-Foto

Preis für Qualität des Weines nur ein Anhaltspunkt

Das Kerngeschäft des Traditionshauses bleibt der Wein. Was in den geschichtsträchtigen Lagern von Wolff lagert, wird vom Chef auch selbst probiert. „Wir treffen eine Vorauswahl und fragen uns immer wieder neu, was der Kunde mag“, sagt Wolff, der selbst eine Ausbildung zum Sommelier absolviert hat. Regelmäßig testet er zwischen 10 und 20 Weine, trinkt privat in der Woche allerdings keinen Tropfen, denn: „Ein gutes Glas Wein muss etwas Besonderes bleiben.“

Für die Qualität des Weines ist dem Experten zufolge der Preis nur ein erster Anhaltspunkt. „Er muss einen guten Geschmack haben. Bei der Auswahl befassen wir uns auch sehr stark mit seiner Entstehung und sind deshalb mit den Winzern in stetigem Kontakt“, erklärt der 42-Jährige. In diesem Jahr liegt grundsätzlich mehr Weißwein als Rotwein im Trend. „Beim Weißwein ist im Moment der Grauburgunder gefragt. Früher war es der Pinot Grigio, der nun kaum noch auf den Karten in der Gastronomie landet.“ Beim Rotwein ist der Primitivo aus der italienischen Provinz Apulien bei Wolff der Kassenschlager „und im Rotwein-Segment grundsätzlich Weine aus Italien, danach folgt Spanien. Weine aus Übersee laufen eher schleppend.“

Die mehr als 1500 Quadratmeter großen Keller in der Altstadt von Leer bestehen zum Teil aus 400 Jahre alten Gewölben und sind optimal für die Lagerung der Flaschen. „Es ist nicht zu warm und nicht zu kalt. Große Temperaturschwankungen sind nicht gut für den Wein. Hier haben wir ein nahezu gleichbleibendes Klima und so ist auch über einen langen Zeitraum eine gleichbleibend gute Qualität gewährleistet.“

Winzer entscheiden sich heute ganz bewusst für Rosé

Der persönliche Lieblingswein des Familienvaters ist ein Rosé aus der Provence. „Der Roséwein hat in den vergangenen Jahren ohnehin einen Schub in der Nachfrage bekommen, weil die Qualität viel besser geworden ist. Während der Rosé früher eher ein Abfallprodukt aus Trauben war, die sich für den Rotwein nicht mehr eigneten, entscheiden sich heute immer mehr Winzer ganz bewusst für einen Rosé“, weiß der Experte.

Für Jan Wolff ist seine Arbeit immer mit großer Leidenschaft verbunden. „Beim Einstieg in das Unternehmen bin ich Stück für Stück in die Materie hineingewachsen; man kann nicht sagen, dass mir die Leidenschaft zum Wein in die Wiege gelegt wurde.“ Der Erfolg gibt dem Ostfriesen aber recht. Nach 2003 und 2008 ist das Unternehmen auch 2014 zum „Weinhändler des Jahres“ eines Branchenmagazin ausgezeichnet worden,  im vergangenen Jahr bekam Wolff den Fachhandelspreis des Deutschen Weininstitutes. Das und die große Nachfrage der Kunden aus der Region und aus dem ganzen Bundesgebiet beweisen: Ostfriesland hat in Sachen Wein ein Wörtchen mitzureden.

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